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Anzahl der Patentanträge auf embryonale Stammzellen steigt


Patent des Klonforschers Hwang in Europa drastisch eingeschränkt

 

München, 17.2. 2010 Bei einer Recherche, die die Initiative "Kein Patent auf Leben!" zusammen mit der Organisation Testbiotech e. V. durchgeführt hat, zeigt sich, dass die Patentanträge im Bereich embryonaler Stammstellen und damit zusammenhängender Klon-Technologien stark ansteigen. Insbesondere fanden sich allein in den Jahren 2008 und 2009 etwa 40 Patentanträge, in denen es um Verfahren zur Herstellung von Stammzellen neuer Art, die Eigenschaften embryonaler Stammzellen haben, sogenannte induzierte Pluripotente Stammzellen (iPS), geht.


"In den letzten Jahren haben die Patentanträge auf Verfahren zum Klonen menschlicher Embryonen und daraus gewonnene Stammzellen eher abgenommen. Jetzt aber sehen wir einen deutlichen Anstieg, der insbesondere durch neue Technologien zur Herstellung sogenannter induzierter Stammzellen verursacht wird," sagt Ruth Tippe von der Initiative "Kein Patent auf Leben!"

Diese neuen Verfahren werden von vielen Experten befürwortet, weil dafür keine menschlichen Embryonen zerstört werden müssen. Die so erzeugten iPS-Zellen sind aber im Hinblick auf die Möglichkeiten des Klonens ethisch nicht als neutral und unproblematisch anzusehen. Wie 2009 in mehreren Publikationen gezeigt wurde, können iPS-Zellen zum direkten Klonen lebensfähiger Individuen verwendet werden, was vorerst zumindest bei der Maus gelang, sehr wahrscheinlich aber ebenso beim Menschen möglich wäre: Zunächst werden normale Zellen des menschlichen Körpers so manipuliert, dass sie sich in "pluripotente", das heißt embryonale Zellen zurückverwandeln. Aus diesen Zellen könnten dann durch so genannte "Tetraploide Komplementierung" auch ganze menschliche Embryonen produziert werden. Tatsächlich werden verschiedene Verfahren zur Herstellung von Embryonen mit Hilfe von iPS Zellen auch in Patenten beansprucht.

Wie die Recherche auch zeigte, erteilt das Europäische Patentamt in München heute das Patent EP 1711599, an dem der umstrittene koreanische Klonforscher Hwang Woo-Suk beteiligt ist. Entgegen dem ursprünglich eingereichten Antrag umfasst es lediglich Nährflüssigkeiten für Zellkulturen. Das Patent wurde bereits 2004 angemeldet und beanspruchte Methoden zur Herstellung und Nutzung menschlicher Embryonen und daraus gewonnener Stammzellen. Das Patentamt verweigerte die Erteilung dieser Ansprüche unter Verweis darauf, dass die im Patent beschriebenen Verfahren offensichtlich auf falschen Angaben beruhen. 2006 war bekannt geworden, dass der Klonforscher große Teile seiner Arbeit gefälscht hatte.

Nach der Entscheidung über das Patent von Hwang steht das Europäische Patentamt in Zusammenhang mit den neuen Klon-Technologien jetzt vor einer neuen Herausforderung.

Übersicht über Entwicklung der Patentanmeldungen im Bereich menschlicher embryonaler Stammzellen siehe Grafik.

Kein Patent auf Leben!
Frohschammerstr. 14
80807 München

Für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an:

Dr. Ruth Tippe: 0172 - 896 38 58
Dr. Christoph Then, Testbiotech e.V., Tel.: 0151- 54 63 80 40

E-Mail: rtippe@keinpatent.de
Internet: www.keinpatent.de